* english version below

von Ulrich Schachtschneider

Niko Paech hat Recht: Zeit ist unsere wichtigste Ressource. Ein Übermaß an Produkten, Konsum und Ereignissen hindert uns daran, sie für das, was wir für ein gutes Leben wichtig finden, einzusetzen: Etwa für entspannende und kreative Muße, freie Persönlichkeitsentfaltung oder echte Freundschaften. Schon John M. Keynes erwartete für seine „Urenkel“ die „wirtschaftlichen Möglichkeiten“ einer wöchentlichen Arbeitszeit von 15 Stunden – endlich Platz für das freie Leben jenseits der Notwendigkeiten. Was also läuft falsch, wenn die meisten Menschen heute nach wie vor das zwei bis dreifache für Erwerbsarbeit verbrauchen?
Niko Paech schlägt eine Halbierung des Konsums und der Erwerbsökonomie vor.
Damit würde er der Keynes’schen Vision schon relativ nahe kommen – zumindest was die Zeit angeht. Paech aber geht davon aus, dass die freiwerdenden 20 Std. für Subsistenzpraktiken genutzt werden: Für die Organisierung gemeinschaftlicher Nutzung, die Pflege und Reparatur sowie die Eigenproduktion. Damit würde jeder unabhängig(er) von der Industrieproduktion und vom Geld. Aber welche neue Abhängigkeit von Gemeinschaften, von Netzwerken kaufe ich mir damit ein? Dies gilt umso stärker, wenn die 20 Stunden Erwerbsarbeit nicht fürs Notwendigste ausreichen, etwa bei Arbeit im Niedriglohnsektor oder bei prekärer Selbständigkeit. Dann können zusammen locker mehr als 40 mühselige Stunden herauskommen.
Zum „Guten Leben“ jenseits des Wachstums gehört eine Basis-Lebenssicherheit. Je weniger diese gewährleistet ist, desto mehr ökonomische Aktivitäten werden nur aus purer Existenzangst erhofft, initiiert, aufrechterhalten – kosten sie ökologisch, sozial und individuell was sie wollen. Wer Postwachstum möchte, muss den Druck zu ökonomischen Aktivitäten von jedem Einzelnen nehmen. Das geht am besten mit einem bedingungslosen Grundeinkommen.
Doch wie kann dieses gestaltet werden, ohne neue Konsumorgien zu ermöglichen und ohne Wachstumsschübe nötig zu haben? Bei einer Finanzierung aus Öko-Abgaben auf problematische Umweltnutzungen (z.B. CO2, Bodenschätze, Nitrateinträge) wird verschwenderisches Verhalten wie das Kaufen vieler und kurzlebiger Produkte teurer und ein ressourcenarmer Lebensstil mit viel Bildung, Kunst, Kommunikation etc. günstiger. Neben diesem „anders konsumieren“ wird durch die Verwendung als Grundeinkommen gleichzeitig das „Weniger“ attraktiver für alle: Durch die Basis-Sicherheit werden mehr Menschen neue ressourcenleichtere Lebensformen der Kooperation und des Weniger ausprobieren und schätzen lernen können. Heute trauen sich das nur ein paar Avantgardisten.
Das Wichtigste aber: Mit einem solchen Öko-Grundeinkommen sind verschiedene ökologisch korrekte Lebensstile möglich. Ich kann zwanzig Stunden in der Industrie – auch deren Produkte genügen durch die Veränderung der relativen Preise ökologischen Anforderungen – erfüllt als Spezialist XY arbeiten und ergänzend zehn Stunden subsistent und gemeinschaftlich tätig sein. Ich kann aber auch nur fünf Stunden die Woche im Durchschnitt irgendwo gegen Geld erwerbstätig sein und 35 Stunden in Gemeinschaft selber produzieren. Grundeinkommen ist Zeitwohlstand – innerhalb  und außerhalb der Erwerbsarbeit. In beiden Sphären kann mit dieser Sicherheit im Rücken (eher) das gemacht, was uns gefällt – was immer es ist.
Welche Anteile industrieller, lokaler oder subsistenter Arbeit dabei herauskommen, wissen wir nicht im Voraus und brauchen wir in einer offenen Gesellschaft auch nicht zu wissen. Mit ihren fragmentierten Kulturen wird sie keine sein mit einem einheitlichen Lebensstil. Das soll sie auch nicht – unter Lebensentfaltung verstehen wir gerne etwas Verschiedenes. Aber wir müssen (zumindest im Durchschnitt) unseren ökologischen Fußabdruck dabei einhalten. Durch Öko-Besteuerung wird das gesichert und wir bekommen nebenbei als schöne „Entfaltungspauschale“ ein Grundeinkommen – oder umgekehrt …

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by Ulrich Schachtschneider

Niko Paech is right. Time is our most important resource. An overkill of products, consumption and events is hindering us to use our time for the things we describe as really necessary for a “good life”: For contemplative and creative leisure, free development of personality, real friendships for example. Even the economist John M. Keynes expected for his great-grandchildren „economic possibilities“ to have a weekly working time of fifteen hours – space for the freed life beyond necessities. So what went wrong when most people today need two or three times of labour time? Niko Paech proposes half consumption and half gainful employment. Therewith he would nearly meet the vision from Keynes – when we talk about time. But Paech wants to use the freed 20 hours for subsistence: For the organisation of common use, maintenance and reparation as well as for own production. In this way everybody would become (more) independent from industrial production and from money.
But to which kinds of new dependencies from communities and networks does this lead? This problem rises in case of work for low wages or in precarious self-employment. Then even more than 40 laborious working hours could be possible. Good life beyond growth even means a basic security of life. The less this is ensured the more economic activities will be hoped for, initiated, sustained only in fear of existence – without considering their ecological, social and individual costs. If we want degrowth we have to diminish economic pressure from the individual. The best way to do so is the unconditional basic income.
But how this can be arranged without enabling new consumer parties and creating new imperatives of growth? By financing the basic income through ecological fees for problematical use of environment (e.g. CO2, scarce resources, nitrates) wasteful behaviour like buying many and short term products will become more expensive. The opposite will evolve with resource light lifestyles with much literacy, arts, communication etc. Beside this “alternative consumption” more people will test and probably learn to like new resource-light lifestyles of cooperation and the “less”.
Today only avant-gardists have the heart to do so. But most important: With such an Ecological Basic Income different ecologically correct lifestyles are possible. I can work high satisfied twenty hours as a specialist in the industry – whose products are even more resource light due to the transformation of relative prices – and additional ten hours subsistence work in my communities. But I can even work somewhere for money five hours a week in average and produce the rest 35 hours through own work alone and in my community. Basic income is time prosperity – within and outside the sphere of gainful work. In both areas with the social security in our back we can (more) make what we want – what ever this means in detail. To which shares of industrial, local, or subsistence work this will lead we cannot and must not know before in an open society. With its divorced cultures we cannot expect an unified life style. This is even not intended – we all have different ideas what personal development does mean. But we have to accept a maximum size of our ecological footprint – in average. Using ecological taxes this will be ensured and by the way we will get a nice “development lump sum” – or vice versa.

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